Vom Sehen
zum Gestalten

Warum meine Skizzen Schritt für Schritt einfacher werden

Eine fertige Illustration beginnt bei mir selten mit einer
perfekten Linie. Meist beginnt sie mit genauem Hinsehen.

Am Anfang darf es noch genau sein

Als Grundlage für meine Skizzen nutze ich häufig Fotografien aus
Bilddatenbanken, beispielsweise von Adobe oder Pixabay. Dabei
geht es mir im ersten Schritt noch gar nicht darum, einen eigenen
Stil zu entwickeln oder das Motiv möglichst stark zu vereinfachen.
Im Gegenteil: Zunächst möchte ich verstehen, was ich eigentlich
vor mir sehe.

Wie verlaufen die Formen? Wo entstehen Schatten? Welche Linien bestimmen den Charakter eines Motivs und welche Details erscheinen auf den ersten Blick
wichtig.

Meine erste Zeichnung entsteht in Procreate und orientiert sich zunächst relativ genau an der fotografischen Vorlagen.

Bleistiftskizze

Reduzierte Bleistiftskizze

Ink-Skizze

Vektorgrafik 

Und dann beginnt das Weglassen

Ist diese erste Zeichnung fertigt, beginnt für mich der eigentlch spannende Teil. Ich zeichne das Motiv erneut. Und manchmal noch einmal.

Dabei versuche ich nicht, mehr hinzuzufügen – sondern immer weniger.

Schatten verschwinden. Kleine Linien werden entfernt. Formen werden klarer. Aus mehreren Strichen wird vielleicht nur eine Kontur.

Dabei stelle ich mir immer wieder dieselbe Frage: Was braucht das Motiv wirklich, damit sein Charakter erhalten bleibt?

Genau an diesem Punkt entwickelt sich aus einer Studie langsam einenIllustration.

Reduzieren bedeutet nicht
einfach nur löschen.

Ich muss ein Motiv zunächst verstehen, bevor ich
entscheiden kann, was davon verfechtbar ist.

Das sieht man auch sehr schön an meinen Skizzen.
Die erste Zeichnung enthält noch zahlreiche
Schraffieren, Schatten und kleine Strukturen.
In den folgenden Skizzen sind viele davon
verschwunden.

Trotzdem – oder vielleicht gerade deshalb – bleiben
Haltung, Gesicht, Haare, Kleidung und die kleine
Vogelfigur klar erkennbar.

Die Illustration wird ruhiger.

Und die Linien, die übrig bleiben, bekommen
plötzlich viel mehr Bedeutung.

Warum ich meine Skizzen
reduziere

Für meine weitere Arbeit ist dieser Schritt besonders
Wichtig. Viele meiner Illustrationen werden später
Digital weiterentwickelt und teilweise vektorisiert.

Klare Formen und bewusst gesetzte Konturen lassen
Sich wesentlich besser weiterverarbeiten.

Auch bei der Farbfindung hilft mir die reduzierte
Zeichnung, Flächen lassen sich deutlicher erkennen,
Farben können gezielter eingesetzt werden und ich
Kann verschiedene Varianten ausprobieren, ohne das zu
Viele Details miteinander konkurrieren.

Die reduzierte Skizze wird damit zu einer Art
Grundgerüst für die spätere Illustration.

„Manchmal entsteht eine Illustration nicht dadurch,
dass wir etwas hinzufügen – sondern indem wir herausfinden,
was wir weglassen können.“

Die Kunst liegt manchmal im
weglassen

Eine Linie kann eine ganze Bewegung erzählen. Eine kleine Kurve kann ausreichen, um eine Haarsträhne anzudeuten. Und manchmal braucht eine Fläche überhaupt keine Schattierung, weil unser Auge die fehlenden Informationen ganz von selbst ergänzt.

Das Reduzieren zwingt mich dazu, Entscheidungen zu treffen.  Diese Linie bleibt. Diese darf gehen. Diese Form ist wichtig. Dieses Detail brauche ich nicht.

Und genau dadurch verändert sich eine Zeichnung von einer möglichst genauen Wiedergabe hin zu meiner Eingenen Interpretation des Motivs.

Vom Sehen zum Gestalten

Für mich ist Skizzieren deshalb viel mehr als eine Vorstufe zur fertigen Illustration. Es ist ein Prozess des Beobachtens, Verstehens und schließlich des Vereinfachens.

Am Anfang steht das reale Motiv mit all seinen Details, Schritt für Schritt löse ich mich davon und suche nach Formen und Linien, die seine Geschichte erzählen. Erst wenn nur noch das Wesentliche übrig bleibt, beginnt für mich die eigentliche Gestaltung.

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